© Jens Butz

Hintergründe

Städtebauliche Entwicklung

Die Hauptstraße stellt eine der wichtigsten Verbindungen zwischen dem nahe gelegenen Bahnhof, dem ZOB und der St. Nikolai-Kirche im historischen Zentrum der Stadt Mölln dar. Die Sichtbarmachung der historischen Raumfolgen, insbesondere im mittleren Teil der Hauptstraße, macht die historisch begründete Engstelle wahrnehmbar und zeigt den historischen Verlauf der inneren und äußeren Toranlage der ehemaligen Wallanlage der Altstadt. Die Hauptstraße wandelt sich vom zerschnittenen Straßenraum zu einem großzügig gestalteten zusammenhängenden Stadtraum mit belebten Rändern und hoher Aufenthaltsqualität. Eine einheitliche Materialität aus historischem Natursteinpflaster mit gesägter Oberfläche von Fassade zu Fassade definiert den Raum als Ganzes. Die Wasserlage der Altstadt wird durch gezielt platzierte Wasserobjekte hervorgehoben und stärkt die Verbindung zwischen dem Stadtsee und dem Wallgraben.

Nördlicher und mittlerer Teil der Hauptstraße

Der nordöstliche, breitere Teil der Hauptstraße - historisch gesehen der innerhalb der Stadtmauern gelegene Abschnitt – bekommt ein urbanes Erscheinungsbild bei dem der Stadtraum gänzlich durch die vorhandenen Fassaden definiert wird.

Gesägtes Kopfsteinpflaster fasst den Raum großzügig als Einheit zusammen und erzeugt in Farbigkeit und Oberflächenbeschaffenheit ein homogenes Stadtbild dieses historischen Raumes. Das Großsteinpflaster wird dort, wo es im Bestand vorhanden ist, ausgebaut und mit gut begehbarer Oberfläche (gesägt und geflammt) wieder eingebaut. Die Oberfläche ist optimal barrierefrei begehbar und mit ausreichender Rutschfestigkeit vorgesehen. Für diejenigen Bereiche, bei denen im Bestand kein Großsteinpflaster vorhanden ist, wird neues Großsteinpflaster verwendet, mit gleicher Oberfläche.

Lineare Sitzobjekte aus poliertem Naturstein mit Sitzauflagen und Rückenlehnen bieten Platz zum Verweilen und schaffen Aufenthaltsqualität. Die Sitzobjekte werden ergänzt mit Armlehnen, die das Setzen und Aufstehen für Senioren und bewegungseingeschränkte Besucher erleichtern. Drei dieser linearen Sitzobjekte werden in der Raumabfolge der nordöstlichen Hauptstraße in einer gezielten Setzung verortet. Die Breite der Sitzobjekte ermöglicht ein beidseitiges Sitzen und erhöht die Nutzungsqualität. Durch einen hellen, beigefarbigen Granit heben sich die skulpturalen Sitzobjekte optisch vom rötlichen Kopfsteinpflaster ab.

Ein Trinkbrunnen und ein Quellstein markieren den Übergang zur Grubenstraße und thematisieren die enge Verknüpfung der Altstadt mit ihrer qualitätvollen Wasserlage. Beide Wasserobjekte werden aus einem hellen, fast weißlich erscheinenden Naturstein mit polierter Oberfläche hergestellt. Integrierte Nebeldüsen beim Quellstein können in Sommermonaten für zusätzliche Anreize sorgen und gleichzeitig das Kleinklima positiv beeinflussen.

Eine einheitliche Beleuchtung aus schlichten Mastleuchten fügt sich in die Gesamtgestaltung ein. Eng an den Fassaden stehend nehmen sich diese zugunsten des Gesamtraumes optisch zurück. Durch eine farbige Beschichtung integrieren sich die Mastleuchten in das übergeordnete Farbkonzept und nehmen Bezug auf die Farbigkeit der denkmalgeschützten Fassaden.

Der südwestliche Teil der Hauptstraße - historisch gesehen außerhalb der Stadtmauern gelegener Abschnitt - erhält ein urbanes Erscheinungsbild mit einem maßvoll begrünten Charakter (Bäume).

Der historische Dreiecksplatz Bauhof soll wieder erlebbar gemacht werden. Es werden 12 neue Bäume gepflanzt, welche hoch aufgeastet werden und durch das hohe geschnittene Baumdach (Höhe 4,30 m) einen Raum mit einer besonderen Atmosphäre bilden sollen. Unterhalb des Baumdaches befindet sich ein großzügiger quadratischer Platzbereich aus wassergebundener Wegedecke, der gefasst wird durch einen Rahmen aus großformatigen Natursteinplatten. Neben den vorhandenen Angeboten der lokalen Gastronomie (Bäckerei) befinden sich locker verteilte und zum Teil in Gruppen gestellte, fest montierte Sessel mit Armlehnen – ein Angebot zum Verweilen für alle Altersgruppen.

Richtung Bergstraße erhält der Bauhof einen neuen Großbaum (Gleditsie), der den Raum ‐ analog zur Historie ‐ definiert. In seinem lichten Schatten findet die Bronzefigur `Die Zeitungs‐Leser` von Bildhauer Karlheinz Goedtke, in einem gestalteten Wasserobjekt einen neuen Platz. Ein Sitzrand mit abgerundeten Kanten und vorgelagerte, locker verteilte Sitzkissen aus Naturstein bieten Aufenthaltsqualität und die Möglichkeit zum Verweilen. Die Wahl eines hellen creme ‐ farbigen Granites bei Wasserbecken und Sitzkissen mit jeweils polierter, hochwertiger Oberfläche unterstützen die einladende und freundliche Atmosphäre der neu geplanten Platzsituation am Bauhof.

Analog zum nordöstlichen Teil der Hauptstraße finden Ausstattungselemente wie schlichte Mastleuchten und Fahrradabstellplätze ihren Platz eng an den Randbereichen des Raumes. Die Marktstände des Wochenmarkts sind im Konzept berücksichtigt und können in ihrer Anordnung und Ausrichtung angepasst und optimiert werden.

Im mittleren, schmalen Teil der Hauptstraße wird der aktuelle Oberflächenbelag, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu erreichen, durch das bereits erwähnte Großsteinpflaster ersetzt.

Südlicher Teil der Hauptstraße / verkehrsberuhigter Bereich

Im südlichen verkehrsberuhigten Teil der Hauptstraße wird die Fahrbahn zugunsten breiterer Fußgängerflächen und Außengastronomie reduziert. Die Materialität der Oberflächen orientiert sich am übergeordneten Gestaltungskonzept mit geschnittenem Naturgroßsteinpflaster für Fahrbahn sowie Fußgängerbereiche. Bordsteineinfassungen aus hellbeigem Natursteinbord markieren den Übergang zur Fahrbahn.

Gleichmäßig gesetzte, hochaufgeastete Linden bilden hier eine spannende Raumkomposition. In ihrer Abfolge verdichten sich die Bäume in Richtung des südwestlichen Abschlusses und inszenieren den Eintritt/Eingang in den zentralen neugestalteten Einkaufsbereich der Hauptstraße. Ein zusätzlicher gewachsener Solitärbaum (Gleditsie) mit großzügig dimensionierter runder Baumscheibe markiert bei Haus Nr. 19 den Übergang zum ZOB.

Ein weiterer Trinkbrunnen aus hellem Naturstein bietet in unmittelbarer Nähe zusätzliche Aufenthaltsqualität. Vier lineare Sitzobjekte aus Naturstein bieten im verkehrsberuhigten Bereich Platz zum Verweilen für alle Altersgruppen.

Im Übergang zum Kreisverkehr wird eine Reihe von Stahlpollern dezent in die Gestaltung integriert.

Vegetation und Stadtgrün

Im Straßenraum sollen Bäume gepflanzt werden, welche zu einer Verbesserung des Mikroklimas beitragen sollen. Sie dienen als Schattenspender, als Windbrecher, als Regenrückhaltung, als Feinstaubfilter und tragen durch ihre Oberflächenverdunstung zur Kühlung des Raumes bei. Baumgruben verbindende Wurzelgräben erhöhen das Substratvolumen.

Die Positionierung der Bäume entlang der Hauptstraße erfolgt unter Berücksichtigung des historisch gewachsenen Zentrums mit seinen Räumen und denkmalgeschützten Fassaden.
Ergänzt werden diese Baumreihen im nördlichen Abschnitt der Hauptstraße durch zwei frei gewachsene, hoch aufgeastete Solitärbäume (Gleditsie=Klimabaum). Der erhöhte Kronenansatz erhält die Sichtbarkeit von Werbeinstallationen der ansässigen Gewerbetreibenden.

Barrierefreiheit

Mit der Neuplanung des zentralen Einkaufsbereichs bietet sich die Möglichkeit zur barrierefreien Gestaltung des Stadtraums. Ziel ist, die Belange der Sehbehinderten, Blinden und mobilitätseingeschränkten Besucher und Bewohner zu berücksichtigen und gleichzeitig die Vorgaben des Denkmalschutzes zu beachten. Das vorliegende Konzept erfolgte in Abstimmung mit dem Beauftragten für Menschen mit Behinderung der Stadt Mölln. Wie oben erwähnt, wird das vorhandene Großsteinpflaster ausgebaut und mit gesägter Oberfläche wieder eingebaut. Die Oberfläche ist optimal barrierefrei begehbar und mit ausreichender Rutschfestigkeit vorgesehen. Die sichere Führung für Schwarzblinde erfolgt über einen 30cm breiten taktilen Streifen, der in der Farbigkeit des gesägten Kleinsteinpflasters in den Belag integriert wird. Die visuelle Führung für Sehschwache und Sehbehinderte erfolgt über einen 40cm breiten, 3cm hohen Bordstein aus Naturstein, der sich durch seine Farbe von der Umgebung entsprechend absetzt und gleichzeitig eine deutlich sichtbare Abgrenzung der Fahrspur darstellt. Die Fußgängerübergänge berücksichtigen sowohl Richtungsfelder zur Richtungsweisung der Blinden als auch Sperrfelder mit niveaugleichen Übergängen für Rollstuhlfahrer. Durch die niveaugleiche Fortführung der Gehwege auch im Bereich der Einmündungen wird dem Fußgänger wesentlich mehr Raum gewährt. Eine Führung entlang der Hauptstraße ist somit ohne Stolperkanten möglich und erleichtert das Flanieren auch für Passanten mit eingeschränkter Mobilität.

Verkehr

Die notwendigen 6m breiten Fahrbahnen integrieren sich in die Gestaltung und sind lediglich durch eine offene Entwässerungsrinne sowie einen 3cm hohen Bordstein definiert. Die Verkehrsströme am Bauhof werden über einen Minikreisverkehr aufgefangen und verteilt. Der südlichste Teil der Hauptstraße bleibt verkehrsberuhigt und ist nur für Lieferverkehr zu bestimmten Tageszeiten anfahrbar. Hier wird die Fahrspur zugunsten der Fußgänger auf 4,75m Breite reduziert. Im Planungsgebiet entlang der Hauptstraße sind insgesamt fünf Stellplätze für
mobilitätseingeschränkte Menschen vorgesehen sowie drei Taxistellplätze und 102 Fahrradstellplätze. Im nördlichen Abschnitt der Hauptstraße befinden sich zwei Bushaltestellen bzw. eine Haltestelle je Fahrtrichtung. Die Bereiche Bushaltestelle und Kreisverkehr werden aufgrund der anzunehmenden Belastung aus Ortbeton hergestellt.

Zielsetzung

Ziel des Entwurfes ist, die besondere Qualität des Raumes in all seinen Facetten sichtbar und erlebbar zu machen. Der vorliegende Entwurf zur städtebaulichen Gesamtmaßnahme – Neugestaltung „Zentraler Einkaufsbereich/ Grubenstraße wurde am 19.11.2020 in der Sitzung des Bauausschusses der Stadt Mölln einstimmig beschlossen.

Die Präsentation des Entwurfes können Sie sich hier herunterladen:

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